Ausschalfristen: Wann Sie die Schalung sicher entfernen können
Ausschalfristen nach DIN EN 13670: Richtwerte für seitliche, unterseitige und tragende Schalung, was die Fristen bei Kälte und langsamen Zementen verlängert, WU-Beton, die saubere Ausschalmethode und die Rolle der Phenolfilm-Schalhaut. Herstellerleitfaden für den DACH-Raum.

Ausgeschalt wird nach erreichter Festigkeit, nicht nach dem Kalender. Diese eine Regel steht über allen Tabellen: Eine Frist in Tagen ist immer nur ein Anhaltswert, der eine bestimmte Betontemperatur und einen bestimmten Zement voraussetzt. Ändert sich eine dieser Bedingungen, verschiebt sich die Frist. Bauleiter und Poliere brauchen trotzdem Richtwerte, um den Bauablauf zu planen. Dieser Leitfaden gibt sie, ordnet sie in den Normrahmen ein und zeigt, was die Frist verlängert und warum zu frühes Ausschalen teuer wird.
Die Grundregel: ausreichende Erhärtung, keine feste Zahl
DIN EN 13670 und DIN 1045-3 regeln die Ausführung von Betontragwerken. Beide nennen keine starren Ausschalfristen in Tagen. Maßgeblich ist, dass der Beton eine ausreichende Festigkeit erreicht hat, bevor die Schalung Lasten übernehmen muss oder das Bauteil freigestellt wird. Ausreichend heißt: Das Bauteil trägt sein Eigengewicht und die anstehenden Baulasten ohne unzulässige Verformung, und die Kanten sind so fest, dass sie beim Ausschalen nicht abplatzen.
In der Praxis wird diese Festigkeit über die Zeit abgeschätzt oder über die Reife und Rückstellproben nachgewiesen. Die Zeitwerte in der folgenden Tabelle sind Erfahrungswerte für gängige Bedingungen. Wer bei Kälte, langsamen Zementen oder hohen Anforderungen arbeitet, prüft die Festigkeit statt sich auf die Tage zu verlassen.
Richtwerte auf einen Blick
Die folgenden Anhaltswerte gelten bei einer Bauteiltemperatur von mindestens +5 °C und einem normal erhärtenden Zement. Sie ersetzen keine Festigkeitsprüfung, geben aber die Größenordnung für die Ablaufplanung.
| Bauteil / Schalungsart | Richtwert bei ≥ +5 °C | Was zählt |
|---|---|---|
| Seitliche Schalung an Wänden und Stützen (nicht tragend) | ca. 1–3 Tage | Kanten fest, Oberfläche druckstabil |
| Unterseitige Schalung von Decken und Platten | ca. 7–14 Tage | Tragfähigkeit unter Eigengewicht |
| Tragende Bauteile, Traggerüst unter Decken | ca. 14–21 Tage | volle Nachweisfestigkeit, oft Freigabe durch Tragwerksplaner |
Die Zementfestigkeitsklasse verschiebt diese Werte deutlich. Ein 42,5 R oder 52,5 R erhärtet schneller und erlaubt frühere Fristen, ein 32,5 N deutlich später. Ein CEM III mit Hüttensand entwickelt seine Festigkeit langsam und braucht spürbar mehr Zeit als ein reiner Portlandzement. Die Frist gehört zum Zement, nicht zum Bauteil allein.
Was die Frist verlängert
Drei Faktoren strecken die Ausschalfrist, teils erheblich.
Niedrige Temperatur. Unter +5 °C verlangsamt sich die Hydratation stark, bei Frost kommt sie fast zum Erliegen. Als grobe Faustregel verlängert sich die Frist bei Kälte, und um den Gefrierpunkt kann sie sich verdoppeln. Junger Beton, der friert, bevor er eine Mindestfestigkeit erreicht hat, nimmt bleibenden Schaden. Bei Winterbau gehören beheizte Schalung, Abdeckung und Reifemessung dazu.
Langsame Zemente. CEM II und CEM III mit hohem Zumahlstoffanteil erreichen die Ausschalfestigkeit später als ein CEM I. Das ist kein Mangel, sondern eine Eigenschaft der Bindemittelklasse, die in die Terminplanung gehört.
Hoher Wasserzementwert. Ein hoher w/z-Wert bedeutet langsamere Festigkeitsentwicklung und poröseres Gefüge. Wer die Frist knapp plant, sollte den w/z-Wert im Blick behalten.
WU-Beton: Nachbehandlung verdoppeln
Bei wasserundurchlässigem Beton, der weißen Wanne, entscheidet die Nachbehandlung über die Dichtheit. Die Nachbehandlungsdauer ist hier länger anzusetzen als bei Normalbeton, in der Praxis oft etwa doppelt so lang. Frühes Ausschalen an der Luftseite trocknet die Randzone aus und begünstigt Schwindrisse, die bei einem dichten Bauteil genau nicht gewollt sind. Schalung als Nachbehandlung stehen zu lassen ist bei WU-Bauteilen oft der einfachste Weg, die geforderte Feuchte an der Oberfläche zu halten.
Ausschalen ist nicht Ausrüsten
Zwei Begriffe werden auf der Baustelle gern vermischt. Ausschalen heißt, die Schalhaut vom Beton zu lösen und die seitlichen Elemente zu entfernen. Ausrüsten heißt, das tragende Gerüst unter einer Decke oder einem Träger zu entfernen, also die Stützen zu ziehen. Beides geschieht nicht zwangsläufig gleichzeitig. Häufig wird die seitliche Schalung früh gelöst, während das Traggerüst unter der Decke noch tagelang stehen bleibt, bis das Bauteil seine volle Festigkeit erreicht hat. Wer beides in einem Zug abbaut, riskiert Verformungen an einem noch nicht tragfähigen Bauteil.
Warum zu frühes Ausschalen teuer wird
Wird ausgeschalt, bevor die Kanten fest sind, platzen Ecken und Kanten ab. An einem Bauteil, das sein Eigengewicht noch nicht sicher trägt, entstehen Biegerisse oder bleibende Durchbiegungen, sobald die Schalung die Last freigibt. Diese Schäden entstehen aus dem Erhärtungszustand und dem Zeitpunkt des Ausschalens, nicht aus der Platte. Eine abgeplatzte Kante kann auf zu frühes Lösen hinweisen, seltener auf einen Schalungsfehler. Aus unserer Liefersicht als vietnamesischer Hersteller sehen wir Reklamationen, die als Plattenfehler gemeldet werden und sich bei der Begehung fast immer als Frage der Ausschalfrist herausstellen. Die richtige Reihenfolge bei der Ursachensuche ist deshalb: erst Erhärtung und Zeitpunkt, dann Einbau, dann die Schalhaut.
Saubere Ausschalmethode
Die Schalung wird am Rahmen gelöst, nicht an der Betonkante gehebelt. Ein Keil oder Hebel, der an der frischen Kante ansetzt, bricht Ecken aus und beschädigt zugleich die Schalhaut. Besser ist es, die Elemente über die Rahmenverbindungen zu lösen und flächig abzuziehen. Nach dem Ausschalen wird die Schalhaut geprüft und gereinigt: Betonreste entfernen, die Oberfläche auf Verletzungen des Phenolfilms kontrollieren, beschädigte Platten aussortieren. Eine saubere, unverletzte Schalhaut ist die Voraussetzung dafür, dass die nächste Fläche wieder gelingt.
Die Rolle der Schalhaut
Eine intakte Phenolfilm-Oberfläche und das richtige, dünn aufgetragene Trennmittel entscheiden darüber, ob sich die Schalung sauber löst und wie viele Einsätze eine Platte erreicht. Eine geschlossene Filmoberfläche nimmt kein Wasser aus dem Randbeton, lässt den Beton nicht anhaften und übersteht das Lösen ohne Faserschäden. Verletzte oder ausgetrocknete Schalhaut haftet stärker, erzwingt kräftiges Hebeln und leidet mit jedem Einsatz mehr. Die Wahl der Platte gehört damit direkt zur Ausschalfrage: Grundlagen dazu geben unsere Beiträge zur Schaltafel und zu den Schalplatten. Für anspruchsvolle Ansichtsflächen, an denen jeder Ausschalfehler sichtbar bleibt, lohnt der Blick in unseren Beitrag zur Sichtbeton-Schalung. Zu früh gelöste Schalungen zeigen sich außerdem oft als Randkiesnester, die wir im Beitrag zu Kiesnestern im Beton einordnen.
Über Vinawood
Vinawood ist ein vietnamesischer Sperrholzhersteller, gegründet 1992, mit über 5.000 Containern Export pro Jahr in mehr als 55 Länder. Für Schalungen, bei denen die Ausschalfrist und die Zahl der Einsätze zählen, führen wir eine abgestufte Filmschalung. Pro Form ist die phenolverleimte Platte, EN 636-3 (Class 3), geeignet für hohe Ansprüche und bis zu 20 Einsätze. Form Extra ist melaminverleimt (WBP MUF, EN 636-2, Class 2) und erreicht bis zu 15 Einsätze; die höhere Wiederverwendung stammt aus einer widerstandsfähigeren MUF-Verleimung mit höherem Melaminanteil, nicht aus einem schwereren Film — die Filmoberfläche entspricht der von Form Basic. Form Extra wird deshalb nie als Class 3 ausgegeben. Eine Übersicht der Filmschalung findet sich in unserer Film Faced Plywood Kollektion. Alle Linien laufen im EU-Format 2500 × 1250 mm, Stärken 12 bis 21 mm. Zertifikate: CE-Kennzeichnung nach EN 13986, FSC Chain of Custody, PEFC und CARB Phase 2, mit vollständiger EN-Dokumentation je Lieferung. Für die Abstimmung Ihrer Schalhaut auf Bauteil, Zement und Ausschalfrist erreichen Sie uns über vinawoodltd.com.
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▶Sources & References (3)
- DIN EN 13670 — Ausführung von Tragwerken aus Beton — Deutsches Institut für Normung (2011)
- DIN 1045-3 — Tragwerke aus Beton, Stahlbeton und Spannbeton: Bauausführung — Deutsches Institut für Normung (2012)
- DBV-Merkblatt Betonieren und Nachbehandlung — Deutscher Beton- und Bautechnik-Verein e.V. (2019)






