BFU 100: Was Bau-Furniersperrholz nach DIN 68705-3 wirklich bedeutet — und wann es das richtige Panel ist
BFU 100 ist die deutsche Bezeichnung für wetterbeständig verleimtes Bau-Furniersperrholz nach DIN 68705-3 — und sie wird auf der Baustelle regelmäßig mit allem verwechselt, was 'wasserfest' heißt. Dieser Leitfaden erklärt, was die Klasse wirklich umfasst, welche Holzarten typischerweise als BFU 100…

BFU 100 ist eines dieser Kürzel, das in deutschen Sägewerken, Bauhöfen und Handwerksbetrieben so oft fällt, dass die Definition irgendwann verschwimmt. Auf der Baustelle wird es mit "wasserfest", "WBP" oder einfach "Außenbereich-Sperrholz" gleichgesetzt. Drei verschiedene Konzepte, die zwar verwandt sind, aber im Detail nicht das Gleiche bedeuten.
Dieser Leitfaden räumt mit der Begriffsmischung auf. Er erklärt, was BFU 100 nach DIN 68705-3 wirklich umfasst, welche Holzarten als BFU 100 auf dem deutschen Markt verfügbar sind, und wie das Kürzel zu WBP und EN 636-3 / Class 3 steht. Am Ende steht ein praktischer Einkaufs-Check für die Stirnkante.
Was BFU 100 wirklich heißt
BFU 100 ist die Gütezeichen-Bezeichnung für Bau-Furniersperrholz, Holzwerkstoffklasse 100, geregelt in DIN 68705-3. Die Verleimung erfolgt mit Phenolharz (PF), das eine wetterbeständige Klebefuge erzeugt. Die Klasse 100 ist der baurechtliche Anker: ein BFU 100-Panel ist freibewittert einsetzbar und für die Nutzungsklasse 2 nach DIN EN 335 zugelassen.
Die Phenolharz-Verleimung ist der eigentliche Unterschied zur einfacheren BFU 20 (Holzwerkstoffklasse 20), die mit Harnstoff- oder Melaminharz verleimt ist und nur den trockenen Innenausbau abdeckt. Wer BFU 100 kauft, kauft die Phenolharz-Verklebung; alles andere ist ein anderer Standard.
DIN 68705-3 im Detail
Die Norm beschreibt drei Prüfungen, die ein Panel bestehen muss, bevor das BFU 100-Zeichen vergeben werden darf: die Kochprüfung der Klebefuge (mehrere Stunden im siedenden Wasser ohne Delamination), der Frost-Tau-Wechseltest und die Verleimungsklassen-Prüfung nach DIN EN 314-1 mit dem geforderten Mindest-Scherwert.
Daneben steht DIN 68705-5 für BFU-BU — Baufurniersperrholz aus Buche. BFU-BU ist mechanisch hochfester als BFU 100 in Standard-Ausführung und kommt im konstruktiven Holzbau zum Einsatz, wo Tragfähigkeit das Kriterium ist. Im normalen Schalungs- und Anhängerbau-Einsatz reicht BFU 100; im tragenden Bereich wird auf BFU-BU gegriffen.
BFU 100 vs WBP vs EN 636-3 — die Entsprechungstabelle
Drei Begriffe, gleiche Sache, unterschiedlicher Hintergrund. Aus deutscher Sicht ist das Verwirrung; aus europäischer Sicht ist es Geschichte. Hier die ehrliche Übersicht:
| Bezeichnung | Herkunft | Was sie regelt |
|---|---|---|
| BFU 100 | Deutsche Norm (DIN 68705-3) | Bau-Furniersperrholz mit Phenolharz, freibewittert |
| WBP | Britischer Begriff (Weather and Boil Proof) | Adhäsiv-Klassifizierung der Klebefuge |
| EN 636-3 / Class 3 | Europäische Norm | Verwendung im Außenbereich, Nutzungsklasse 3 nach EN 335 |
In der Praxis sind BFU 100 und EN 636-3 / Class 3 normativ deckungsgleich — ein Panel mit BFU 100-Stempel erfüllt typischerweise auch die Anforderungen an EN 636-3. WBP ist die Adhäsiv-Bezeichnung dahinter. Wer auf der Stirnkante "BFU 100" und auf der CE-Marke "EN 636-3" liest, hat dasselbe Panel zweimal gekennzeichnet.
Welche Holzarten als BFU 100 verfügbar sind
Die Holzwahl ändert nicht die Verleimungsklasse, aber sie ändert Festigkeit, Dichte, Optik und Preis. Vier Arten dominieren den deutschen BFU 100-Markt:
| Holzart | Typische Dichte | Anwendungsschwerpunkt |
|---|---|---|
| Birke (Multiplex) | ca. 680 kg/m³ | Höchste Festigkeit, Fahrzeugbau, Bühnen, Anhängerböden |
| Fichte / WISA-Spruce | ca. 460 kg/m³ | Leichtbau, Schalung, Gerüstbeläge |
| Seekiefer (Pinus pinaster) | ca. 550 kg/m³ | Französische Standardware, Schalung |
| Kiefer (Plantagen-Kiefer) | ca. 510 kg/m³ | Industrieanwendungen, einfache Schalung |
Birke ist die deutsche Referenz, wenn Festigkeit und Optik zählen. Fichte und Seekiefer dominieren in der Schalung, wo Gewicht und Preis wichtiger sind als das Erscheinungsbild. Aus unserer Liefersicht im vietnamesischen Werk: die meisten deutschen Einkäufer, die uns für Class-3-Panele anfragen, brauchen die Industrieanwendung — nicht den Birke-Multiplex-Look.
Anwendungsbereiche von BFU 100
Die Klasse 100 ist im Sprachgebrauch der DIN 1052 und der Holzbau-Praxis fest definiert: freibewitterte, nicht ständig durchnässte Anwendung. Konkret heißt das:
- Holzschalung im Beton- und Hochbau, mehrfach einsetzbar
- Fassadenelemente unter Bewitterung, hinterlüftet
- Fahrzeugbau und Containerverkleidung
- Anhängerböden und Aufbauten mit beanspruchter Oberseite
- Bühnen- und Messebau, witterungsexponiert
- Gerüstbeläge nach DIN 4420
- Außenverkleidungen, Türfüllungen für Außenanwendung
Was BFU 100 NICHT ist
Genauso wichtig wie die Anwendungsliste ist die ehrliche Grenze des Standards. BFU 100 ist kein Bootsbau-Sperrholz nach BS 1088. Es ist nicht für ständigen Tauchwasser-Einsatz freigegeben. Es ersetzt kein tragendes Brettschichtholz oder Furnierschichtholz (Kerto, LVL), wenn statische Anforderungen über die Klasse 100 hinausgehen.
Die Verleimung hält Wasserspritzwasser, Regen und gelegentlichen Schwall aus — sie hält keinen dauerhaft eingetauchten Bootsrumpf. Wer marine-feste Anwendung sucht, kauft BS 1088 oder eine Marine-Spezifikation, kein BFU 100.
Verleimungsklassen und Markierung am Panel
Ein echtes BFU 100-Panel ist auf der Stirnkante erkennbar:
- CE-Marke nach EN 13986 mit Angabe der Verklebungsklasse und der Formaldehyd-Emissionsklasse (E1).
- BFU 100-Stempel mit Verweis auf DIN 68705-3, eingeprägt oder eingebrannt, nicht aufgedruckt.
- Furnier-Qualitätsklasse nach EN 635 (I/II, II/III, BB/CC oder vergleichbar).
- DoP-Nummer (Leistungserklärung) — der Händler muss sie auf Anfrage liefern können.
Wenn der "BFU 100"-Schriftzug aufgedruckt aussieht und sich mit dem Daumen leicht abreiben lässt, ist Vorsicht angebracht. Echte Werksstempel sind eingeprägt oder eingebrannt.
Filmbeschichtetes BFU 100 — Siebdruck und Film
Im Schalungs- und Fahrzeugbau wird BFU 100 oft mit einer Phenolfilm-Beschichtung (100–130 g/m²) ausgeliefert. Das ist die typische Siebdruck- oder Filmschalungsplatte. Die Klassifizierung bleibt BFU 100; die Beschichtung erweitert die Einsatzzahl auf bis zu 20 Einsätze in Standard-Schalungspraxis, mit entsprechender Reinigung und Kantenversiegelung. Anti-Rutsch-Siebdruck (z.B. "Wire-Mesh"-Prägung) ist auf Anhängerböden und Bühnenelementen Stand der Technik. Mehr dazu in unserem Artikel zu Siebdruckplatten.
Was beim Einkauf zu prüfen ist
Ein Einkaufs-Check, der auf jeder Werksbestellung funktioniert:
- CE-Marke vorhanden und lesbar.
- DoP (Leistungserklärung) per E-Mail oder Lieferschein anfordern.
- BFU 100-Stempel eingeprägt oder eingebrannt, nicht aufgedruckt.
- Furnier-Qualität auf dem Lieferschein deklariert.
- Bei Filmware: Filmgewicht (g/m²) auf dem Datenblatt.
- Frachtgewicht prüfen — Birke (680 kg/m³) ist deutlich schwerer als Fichte (460 kg/m³); abweichende Lieferungen sind oft Hinweise auf Holzart-Verwechslung.
Vinawood und BFU 100
Ehrlich gesagt: Vinawood ist kein deutscher BFU 100-Stempelhalter. Wir fertigen in Vietnam, und unsere Standard-Plattenklassifizierung ist EN 636 — nicht DIN 68705. Unser Pro Form-Panel verwendet jedoch dieselbe Phenolharz-Verleimung (WBP) und erfüllt EN 636-3 / Class 3 — normativ deckungsgleich mit BFU 100. Der Unterschied liegt in der Holzart (Plantagen-Hevea und Eukalyptus aus Vietnam statt europäischer Birke oder Fichte) und im Stempel: Pro Form trägt die EN 636-3-Kennzeichnung, nicht das deutsche BFU 100-Gütezeichen.
Für industrielle Schalungsanwendungen, Containerverkleidung, Anhängerböden und marine-nahe (nicht eingetauchte) Anwendungen ist Pro Form das, was deutsche Einkäufer typischerweise meinen, wenn sie "BFU 100-Qualität, Preis aus Asien" anfragen. Wer einen DIBT-zugelassenen Stempel im baurechtlichen Sinne braucht, kauft europäische BFU-Ware bei Possling, Damrosch oder ZEG. Wer EN 636-3 / Class 3 mit vergleichbarer Phenolharz-Leistung will, kann Pro Form direkt aus dem vietnamesischen Werk beziehen — mit bis zu 20 Einsätzen in standard-betriebener Schalungspraxis.
Mehr Hintergrund zur Klasse-2- und Klasse-3-Frage findet sich in unserem Überblick zu wasserfestem Sperrholz und zu Schalungsplatten. Für die filmbeschichtete Variante: Siebdruckplatten.
Über Vinawood
Vinawood ist ein vietnamesischer Sperrholz-Hersteller, gegründet 1992, mit Export in über 55 Länder und mehr als 5.000 Containern pro Jahr. Das Produktportfolio deckt EN 636-2 (Form Basic, Form Extra, Eco Form, Consply — Melaminharz, Class 2) und EN 636-3 (Pro Form, HDO-Reihe — Phenolharz, Class 3) ab. Zertifizierungen: CE/EN 13986, FSC-COC, CARB Phase 2 (USA), ISO 9001. Lieferung in den DACH-Raum erfolgt über Hamburg, Bremerhaven und Rotterdam. Kontakt für Datenblätter, DoP-Unterlagen und Mustern: vinawoodltd.com.
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▶Sources & References (4)
- DIN 68705-3 — Bau-Furniersperrholz — Deutsches Institut für Normung (2003)
- DIN EN 636 — Sperrholz, Anforderungen — DIN/CEN (2015)
- DIN EN 314-1 — Sperrholz, Verklebungsqualität — DIN/CEN (2004)
- DIN EN 13986 — Holzwerkstoffe für das Bauwesen — DIN/CEN (2015)






